Aquarium Nitrit

stickstoffkreislauf-im-aquarium-300x244 Aquarium NitritWer lange Freude an seinem Aquarium haben möchte sollte sich über die anspruchsvolle Pflege eines Aquariums im Klaren sein, denn kaum etwas ist dem biologischen Gleichgewicht ferner als ein neues, frisch eingerichtetes Becken.
Neben der optischen Gestaltung des Beckens mit Pflanzen, Steinen und Sand gilt es die Frage zu klären welcher Fischbesatz für die vorliegenden Wasserverhältnisse der richtige ist.

Das biologische Gleichgewicht spielt eine große Rolle für das Wohlergehen von Fischen und Pflanzen. Immer wieder hört man in diesem Zusammenhang von Nitritwerten und ihren Folgen für das sensible Gleichgewicht im Aquarium.

Aber was sind Nitrite und wo kommen sie her? Wie können sie verhindert werden?
Im folgenden Artikel soll das Thema Aquarium Nitrit umfassend erklärt werden. Darüber hinaus finden sich wichtige Tipps und Tricks wie Nitrite im Wasser verhindert werden können.

Was ist Nitrit?

Nitrit ist ein Produkt im Stickstoffkreislauf. Die Umwandlung von Stickstoff in Nitrate und später weiter zu seiner gasförmigen Form ist nicht nur für die Aquarianer wichtig sondern findet auch in der Natur statt. Wichtige Stoffe für das Verständnis vom Stickstoffkreislauf und seiner Bedeutung für die Aquaristik sind besonders Ammoniak, Ammonium sowie Nitrit und Nitrat.

Durch Verunreinigungen wie Fischkot, Futterreste oder durch den natürlichen Zerfall von Pflanzen im Wasser entstehen bei Abbauprozessen der hochgiftige Stoff Ammoniak (NH3) sowie der „natürliche Pflanzendünger“ Ammonium (NH4). Ob die organischen Abfälle in Ammoniak oder Ammonium umgewandelt werden hängt vom pH-Wert ab.

Ammoniak entsteht bei einem hohen pH-Wert, so besteht in Wasser mit niedrigem pH-Wert nicht die Gefahr einer Ammoniakvergiftung.

Ammoniak ist als Soff sehr instabil und oxidiert unter Sauerstoffverbrauch im Wasser zu Nitrit (NO2). Damit diese Oxidation stattfinden kann werden bestimmte Mikroorganismen benötigt welche sich während der Einlaufphase von ca. 4 bis 6 Wochen gebildet haben sollten.

Nitrit ist giftig für Fische, es sollte sich kein Nitrit im Wasser befinden.

Wie wird der Nitritgehalt im Wasser bestimmt?

Leider lässt sich weder Nitrit noch der pH-Wert des Wassers mit bloßem Auge bestimmen. Auch eine Verfärbung des Wassers gibt zwar allen Grund für eine Überprüfung, lässt jedoch keine Rückschlüsse auf den Gehalt von Nitriten im Wasser zu.

Um den Nitritwert im Wasser zu bestimmen gibt es spezielle Tropftests bei welchen etwas Wasser aus dem Aquarium mit einer Tropfflüssigkeit vermischt wird und dann je nach Beschaffenheit des Wassers eine bestimmte Farbe annimmt.

Darüber hinaus gibt es Papierstreifentests welche nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren. Die Teststreifen werden in das Wasser gehalten und nehmen ebenfalls nach Beschaffenheit des Wassers eine bestimmte Farbe an. Es gibt Teststreifen auf denen gleich mehrere Wasserwerte bestimmt werden können.

Es ist ebenfalls ratsam den pH-Wert in regelmäßigen Abständen zu überprüfen um einem möglichen Fischsterben durch Ammoniak im sauren Wasser vorzubeugen.

Welche Auswirkungen hat es auf die Bewohner?

Nitrite sind Salze der salpeterigen Säure und giftig für Fische und andere Aquarienbewohner.
Da die Nitritwerte in Aquarien schnell die in der Natur vorkommenden Werte übersteigen können sind Fische und andere Bewohner nicht daran angepasst und verenden. Nitrit kommt in der Natur nur in sehr geringen Mengen oder gar nicht vor.

Verendende Fische im Wasser sind ebenfalls Verunreinigungen welche die Entstehung von Ammoniak und die daraus resultierenden Nitritwerte in die Höhe treiben und sollten daher schnell entfernt werden.

Wie kann ich den Nitritwert senken?

Um den Nitritwert zu senken gilt es das biologische Gleichgewicht wieder in Einklang zu bringen. Nach dem das durch Abbauprozesse entstandene Ammoniak zu Nitrit oxidiert ist, stellt es immer noch eine Gefahr für Fische, Krebse und andere Aquarienbewohner da.

Da Nitrit in seiner Form instabil und reaktionsfreudig ist, reagiert es bei ausreichend Sauerstoff im Wasser zu Nitrat (NO3). In dieser Form ist es für Pflanzen und Fische ungefährlich. Nitrate können nicht mehr mit Sauerstoff reagieren und sind wichtig für die Entwicklung der Pflanzenwelt. Zu viel Nitrat im Wasser kann sich allerdings negativ auf das Pflanzenwachstum auswirken.

Um Nitrat abzubauen müssen an bestimmten Stellen im Aquarium anaerobe (anaerob bedeutet „ohne Sauerstoff“) Bedingungen geschaffen werden. Anaerobe Energiegewinnung bezeichnet die Verstoffwechselung ohne Sauerstoff oder in diesem Fall Nitratatmung.

Es soll also Stellen im Wasser geben, wo Mikroorganismen keinen Sauerstoff bekommen und Nitrate für ihren Stoffwechsel abbauen. Diesen Vorgang bezeichnet man auch als Denitrifikation was so viel bedeutet wie die Umwandlung von Nitraten im Wasser zu gasförmigem Stickstoff der über die Wasseroberfläche den Kreislauf verlassen kann.

Was kann ich vorbeugend gegen das Nitrit tun?

Einlaufzeit beachten:

Um erst gar keine Probleme mit den Nitritwerten zu bekommen ist es wichtig bereits zu Beginn die empfohlene Einlaufzeit von 4 bis 6 Wochen einzuhalten. In einem neuen, frisch eingerichteten Aquarium befinden sich noch keine denitrifizierenden Bakterien im Wasser. Bereits nach kurzer Zeit bilden sich Bodenbakterien welche den Stickstoff im Wasser in Ammonium (NH4) umwandeln. Ammonium ist nicht schädlich sondern im Gegenteil; ein wichtiger Nährstoff für verschiedenste Pflanzenarten.

Während der Einlaufzeit gibt es nach ca. 7 bis 14 Tagen einen Nitritpeake. Ein Nitritpeake bedeutet das sich für einen kurzen Zeitraum sehr viele Bakterien im Wasser befinden welche das Ammonium in Nitrit umwandeln. So einen Nitritpeake überleben Fische in der Regel nicht, deswegen sollte unbedingt die Einlaufzeit eingehalten werden bevor die ersten Fische eingesetzt werden. Die Nitrit- und Ammoniumwerte gleichen sich nach ein paar Tagen wieder aus.

In einem gesunden und ausgeglichenen Aquarium sollte kein Nitrit zu finden sein.
Nach dem Ablauf der Einlaufzeit, nach dem sich die Mikroorganismen und Bakterien reguliert und stabilisiert haben können die Fische, Krebse etc. eingesetzt werden.

Die Deepsand(Tiefsandbett)-Methode:

Eine weitere Methode um den nitrifizierenden und denitrifizierenden Bakterien Unterschlupf zu bieten ist die Tiefsandbett-Methode. Hierbei wird das Aquarium mit einem ca. 10 bis 15 cm hohen Boden aus sehr feinem Sand befüllt. In den tiefen Schichten des verschlickten Sandes steht das Wasser. Dort kann nun eine anaerobe Energiegewinnung unter Verstoffwechselung des Nitrites als auch des Nitrates stattfinden.

Pflanzenpflege:

Pflanzen im Aquarium sehen nicht nur toll aus und bieten diverse Versteckmöglichkeiten; sie tragen auch zu einem ausgeglichenen Nitrathaushalt bei. Da die Nitrate den Pflanzen als Nährstoffe dienen welche sie zum Wachsen benötigen nehmen sie diese aus dem Wasser auf. Es sollte allerdings darauf geachtet werden, dass sich das Pflanzenwachstum nicht verselbstständigt. Absterbende Pflanzenteile werden ebenfalls bei Abbauprozessen zu Ammoniak oder Ammonium umgewandelt. Deshalb sollte die Pflanzen im Aquarium regelmäßig zurückgeschnitten und lose Blätter zeitnah entfernt werden.

Lebende Steine:

Eine unter Aquarianern bekannte und beliebte Methode sind sogenannte „lebende Steine“. Das Gestein zeichnet sich durch eine hohe Porosität aus, hat also viele kleine Nischen und Löcher. In diesen Steinen sind nicht nur bereits Kleinstlebewesen und Mikroorganismen vorhanden, sondern sie bieten auch Platz in ihnen Nischen und Höhlen für stehendes Wasser und somit anaerobe Energiegewinnung.

Größe des Fischschwarms:

Je mehr Fische im Becken schwimmen, dort leben und fressen je mehr Nahrung wird verstoffwechselt und je mehr Kot entsteht. Dies trägt wiederum zu höheren Ammoniak- oder Ammoniumwerten bei welche den Stickstoffkreislauf erneut aktivieren. Es gilt also den Fischbesatz in Maßen zu halten.
Regelmäßige Wasserwechsel und die richtigen Wasserfilter:

Die wohl wichtigste und eine der wirksamsten Methoden der Entstehung von Nitrit im Wasser vorzubeugen ist ein regelmäßiger Teilwasserwechsel. Dabei sollte nie das ganze Wasser aus dem Becken entfernt werden. Es wird empfohlen jede Woche oder wenigstens jede zweite Woche einen Teilwasserwechsel von ca. 30% vorzunehmen. In der Natur erleben die Mikroorganismen aber auch die Fische Krebse oder Schnecken einen stetigen Abtransport der Stoffwechselabbauprodukte. Auch überschüssige Nährstoffe wie z.B. Nitrat werden so entfernt.

In großen, gut bewachsenen Aquarien mit niedrigem Fischbestand ist ein Teilwasserwechsel seltener notwendig als in einem kleinen Becken mit vielen Fischen.

Filtersysteme tragen dazu bei das grobe Verunreinigungen aus dem Wasser gefiltert werden. Darüber hinaus können sich die oben bereits erwähnten Bakterien und Mikroorganismen die für die Umwandlung von Nitrit in Nitrat notwendig sind besonders gut auf der Filteroberfläche ansiedeln. Beim Reinigen des Filters sollte deshalb darauf geachtet werden, dass nur grobe Verunreinigungen aus dem Filter entfernt werden und die wichtigen Mikroorganismen nicht aus den Poren entfernt werden.

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